Borreliose, Anaplasmose, Babesiose, Ehrlichiose oder FSME

Frühlingszeit ist Zeckenzeit

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Sophie Dilla
Autor: Sophie Dilla

Zecken beißen unsere Vierbeiner nur zu gerne. Jedoch sind Zecken nicht nur lästig, sondern können auch ganz schön gefährlich sein. Zecken können Krankheiten wie Borreliose, Anaplasmose, Babesiose, Ehrlichiose oder FSME übertragen.
Zecken gehören zu den Milben und ernähren sich ausschließlich vom Blut ihres Wirts. Durch ihren Körperbau und ihr Verhalten sind Zecken gut an ihre Umgebung angepasst. Als Parasit benötigen sie das Blut anderer Lebewesen zum Überleben. Zecken saugen sich stark und lange fest. An ihrem Kopf befinden sich die Stech- und Saugorgane mit denen das Opfer gestochen wird und im schlimmsten Fall eine Krankheit überträgt. Mit ihren kräftigen Klauen saugen sie sich bis zu 15 Tage an ihrem Wirt (Hund oder Mensch) fest. Sie bevorzugen Regionen am Körper an denen sie lange unentdeckt bleiben.
Während die Zecke sich vom Blut ernährt, vergrößert sich ihr Gewicht und ihr Volumen um das 200-fache.
Zecken leben in dichten Wäldern oder Wiesen. Sie bewegen sich entweder aktiv auf den Wirt zu, wenn der an einer Stelle länger verweilt, oder warten bis der Hund oder der Mensch an ihnen vorbeistreift. Sie sind in der Lage sich blitzschnell am Wirt festzuhalten und auf ihn überzuwechseln. Wenn die Zecke auf unserem oder dem Körper unseres Hundes ist, wandert sie dort zunächst eine Weile umher, bis eine geeignete Stichstelle gefunden ist.
Die am meisten verbreitete Zecke in Deutschland ist der Gemeine Holzbock. Er gehört zur Familie der Schildzecken. Er ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern die  am häufigsten vorkommende Zecke. Diese weite Verbreitung und die Häufigkeit machen ihn so bedeutend – und vor allem die besondere Fähigkeit, mit dem Stich verschiedene Krankheitserreger auf Mensch und Tier zu übertragen.
Wir stellen euch die möglichen Krankheitserreger, die von Zecken übertragen werden können, vor.

Zecke auf Blatt

1. Borreliose

Eine Infektion mit Borreliose erfolgt immer über einen Zeckenbiss. Meistens bleibt die Erkrankung aus, jedoch besteht ein Risiko von 10-20%. Voraussetzung für eine Erkrankung ist, dass sich die Zecke mindestens 24 Stunden festgesaugt haben muss. Die Zecke gibt beim Saugen den Speichel in die Blutbahn des Wirts und somit auch die Bakterien. Je länger die Zecke sich festgesaugt hat, desto höher ist das Risiko einer Erkrankung. Es gilt also den Hund nach jedem Spaziergang auf Zecken zu untersuchen und dann natürlich direkt zu entfernen.
Hunde infizieren sich häufiger als der Mensch mit Borreliose, aber erkranken eher selten. Hunde haben eine natürliche Resistenz gegen den Erreger. Es besteht die Annahme, dass 90% der Hunde, die regelmäßig von Zecken gestochen wurden bereits Antikörper in sich tragen und deshalb nur ein geringer Prozentsatz erkrankt.
Symptome
Die Krankheit verläuft zunächst symptomfrei ab. Die Symptome treten meist erst nach Wochen auf. Es kann zu Hautrötungen um die Bissstelle und Vergrößerungen der Bissstelle kommen. Eine Zeit später können Entzündungsreaktion aufkommen mit Fieber sowie Gelenkschmerzen, Appetitlosigkeit und geschwollene Lymphknoten. Das Gelenk, das dem Zeckenbiss am nächsten liegt, ist immer am stärksten geschwollen und im schlimmsten Fall kann es zu einer Lähmung kommen. Problematisch ist es, dass diese Symptome nicht ausschließlich charakteristisch für Borreliose sind, sondern diese Symptome auch durch andere Krankheiten hervorgerufen werden können. Somit gilt bei genannten Symptomen direkt einen Tierarzt aufzusuchen!
Therapie
Zur Behandlung sollte man auf jeden Fall einen Tierarzt aufsuchen. Jedoch kann man durch Vorbeugung oftmals einen Zeckenstich durch den Holzbock vermeiden. Man sollte die Haut seines Vierbeiners regelmäßig pflegen und gegebenenfalls mit Spotons behandeln. Die Spotons haben eine abstoßende Wirkung auf Zecken und der Hund wird nicht befallen. Diese ist jedoch zeitlich begrenzt und muss somit immer wieder aufgetragen werden. Spotons sind durch die enthaltene Chemie für unsere Vierbeiner nicht gesundheitsförderlich. Deshalb kann man auf das Haushaltsmittel Kokosöl zurückgreifen. Der darin enthaltenen Laurinsäure werden gute abwehrende Wirkungen zugeschrieben. Der Hund sollte vor Spaziergängen damit eingerieben werden. Die Wirkung hält nur etwa 6 Stunden, ist dafür aber chemiefrei und pflegt zusätzlich das Fell.

2. Anaplasmose

Die Erreger sind die so genannten Anaplasma Bakterien. Sie befallen bestimmte weiße Blutkörperchen, die Granulozyten. Diese gehören zum Immunsystem des Hundes und in ihnen vermehren sich Bakterien. Sie sind eng verwandt mit den bakteriellen Erregern der Ehrlichiose. Die Anaplasmose wird durch den Zeckenstich des Holzbocks übertragen. Schätzungsweise tragen hierzulande zwischen 1 und 4 Prozent aller Holzböcke Anaplasma-Bakterien in sich.
Symptome
Neben hohem Fieber (40-41,5°C) können Symptome wie Abgeschlagenheit, Fressunlust, Blutungsneigung, Erbrechen, angestrengte Atmung, Lahmheit, geschwollene Lyphknoten, neurologische Ausfallerscheinungen beim Vierbeiner vorkommen.
Therapie
Der Tierarzt muss aufgesucht werden. Dieser verordent für gewöhnlich eine mehrwöchige Antibiotikatherapie. Ein Impfschutz existiert derzeit nicht, weshalb stattdessen vorbeugende Maßnahmen durchgeführt werden müssen, wie beispielsweise bereits erwähnt, anhand von Kokosöl oder ähnlichem.

3. Babesiose

Babesiose wird durch eine bestimmte Zeckenart (Rhipicephalus und Dermacentor) übertragen. Diese sind mittlerweile schon in großen Teilen Europas verbreitet.
Die Babesien, also die Erreger, sind Einzeller. Sie befallen die roten Blutkörperchen und zerstören sie.
Symptome
Die Symptome sind je nach Krankheitsverlauf und -heftigkeit unterschiedlich und deshalb schwierig für den Tierarzt zu diagnostizieren. Mögliche Symptome sind: Stark beeinträchtigtes Allgemeinempfinden, Apathie, Mattigkeit, Fieber, blasse Schleimhäute, Lähmungen, Bewegungsstörungen, Abmagerung, Milz und/oder Leberwerte nicht im Normalbereich und manchmal auch Hautveränderungen. Wenn dein Hund solche Auffälligkeiten zeigt, bitte unbedingt auf Babesiose testen lassen. Babesiose kann nämlich tödlich enden.
Therapie
Zur Diagnose und Behandlung muss der Tierarzt aufgesucht werden. Erneut sollte gegen den Zeckenstich vorgebeugt werden mithilfe von Antiparasitenmitteln (z.B. Spotons oder Halsband) oder mithilfe von Kokosöl.

4. Ehrlichiose

Die Ehrlichiose wird von derselben Zeckenart übertragen wie die Babesiose. Ehrlichiose ist jedoch in fast ganz Europa verbreitet. Die Erreger, die Ehrlichien, befallen die weißen Blutkörperchen und schädigen das Immunsystem.
Symptome
Die Ehrlichiose beginnt meist schleichend beim Hund und es kann Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht. Es werden zunächst Mattigkeit, Leistungsschwäche und Futterverweigerung beobachtet. Im weiteren Verlauf kommt es zu Nasenbluten und punktförmigen Blutungen auf Schleimhäuten und Haut werden beobachtet. Blut im Kot oder Urin, Bluthusten und Blutergüsse in den Gelenken können vorkommen, ebenso hohes Fieber und Lymphknotenschwellungen. Für die Blutungsneigung ist das Absinken der Blutplättchen, der Thrombozyten, verantwortlich.
Therapie
Wenn Ehrlichiose rechtzeitig erkannt wird, ist es durch eine mehrwöchige Antibiotikatherapie sehr gut heilbar. Dafür muss der Tierarzt aufgesucht werden. Eine unbehandelte Ehrlichiose wird meist chronisch und kann infolge zunehmender, gegebenenfalls über Jahre andauernder, schleichender Blutungsneigung zum Tod des Tieres führen.

5. FSME

Das FSME-Virus, Auslöser der Frühsmommer-Meningoenzephalitis, kommt nicht flächendeckend in Deutschland vor. Es ist vor allem in den südlichen Bundesländern und in Mittel- und Osteuropa verbreitet. Nach bisherigem Kenntnisstand ist die FSME beim Hund eher selten. Passiert es aber doch, verläuft die Krankheit schwer und endet häufig mit dem Tod des Tieres bzw. dessen Einschläferung.
Symptome
Bis zum Ausbruch der Krankheit vergeht in der Regel ungefähr eine Woche, es kann aber auch länger dauern. FSME beginnt bei Hunden meist mit sehr hohem Fieber. Da Rückenmark, Hirnstamm und Großhirn von der Krankheit betroffen sind, kann es im Zusammenhang mit FSME bei Hunden zu Verhaltensauffälligkeiten kommen. Dazu zählen zum Beispiel Agressivität und Teilnahmslosigkeit. Auch Krampfanfälle werden im Zusammenhang mit FSME erwähnt. Außerdem haben die Vierbeiner starke Schmerzen bei Berührungen im Kopf- und Nackenbereich.
Therapie
Ein Medikament gegen das Virus gibt es derzeit leider noch nicht, daher können lediglich die Symptome behandelt werden. Bei FSME werden, wie auch bei Borreliose oder Babesiose, Antibiotika eingesetzt. Somit muss selbstverständlich der Tierarzt aufgesucht werden.

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