ERSTE-HILFE: So rettest du deinem Hund das Leben

Selina Busse
Autor: Selina Busse

Dein Liebling verletzt sich und Hilfe ist weit entfernt – Was machst du? In einer solchen Situation musst du die Erste-Hilfe Maßnahmen für deinen Vierbeiner beherrschen. In diesem Beitrag haben wir eine Einleitung in die Grundlagen der Ersten-Hilfe für dich zusammengefasst und empfehlen dir, dich auch umfassend bei deinem Tierarzt zu informieren.

Wie verhalte ich mich in einer Notfallsituation?

Zuallererst: Ruhe bewahren; wenn du Panik bekommst, hilft das weder dir noch deinem Tier. Es ist wichtig, dass du dein Wissen abrufen kannst, um schnell und bewusst zu handeln. All deine Maßnahmen dienen zur Vordiagnose und zielgerichteten Erstversorgung, bis du zum Tierarzt, oder in eine Tierklinik bringen kannst.

Verletzte Tiere haben oft einen Schock und leiden unter Angst und Stress. Auch gegenüber vertrauten Personen, können Tiere in diesem Zustand aggressiv reagieren. Also sei besonders vorsichtig, versuche deinen Hund mit deiner Stimme zu beruhigen und leine deinen Hund an, da er durch den Schock davon laufen könnte.

Wie helfe ich meinem Hund im NotfallErste Hilfe Infographic – PDF Download

Maßnahmen

1. Allgemeinen Gesundheitszustand prüfen

Um den grundlegenden Gesundheitszustand zu überprüfen, kommt das TAPS-Schema zum Einsatz. Dieses sollte nur durchgeführt werden, wenn kein akuter Notfallzustand besteht, sondern wenn der Hund auffälliges Verhalten zeigt. So kannst du herausfinden, ob sein Zustand ernst ist.

Temperatur: Um die Temperatur deines Hundes zu messen, führe das Thermometer vorsichtig ein und drücke es an die Darmwand. Die Durchschnittstemperatur bei Hunden liegt bei ca. 38 Grad. Dir sollte die Temperatur deines Hundes im gesunden Zustand bekannt sein, da es je nach Hund auch Abweichungen geben kann und bei erhöhter Temperatur meistens eine Infektion vorliegt.

Atmung: Lege deine Hand oder die Fingerspitzen vorsichtig auf den Brustkorb deines Hundes und achte auf die Bewegungen, zähle 15 Sekunden lang die Atemzüge und multipliziere sie dann mit vier.

Der Durchschnitt beträgt ca. 30 Atemzüge pro Minute, dies kann je nach Größe und Rasse des Hundes ebenfalls variieren.

Puls: Lege deinen Zeige- und Mittelfinger auf den Innenschenkel an die Beinschlagader. Je nach Größe und Rasse des Hundes kann auch hier die Anzahl der Schläge pro Minute schwanken, Richtwert sind ca. 100 Schläge pro Minute. Nicht nur die Anzahl auch die Intensität der Schläge geben Aufschluss über den Puls. Je schwacher der Puls, desto niedriger der Blutdruck.

Schleimhäute: Die Farbe der Schleimhäute liefert Erkenntnis über den Zustand deines Lieblings. Im gesunden Zustand ist die Schleimhaut rosa. Bei einem Schock, Blutarmut oder Blutverlust ist sie sehr blass. Eine blaue Färbung, deutet auf Sauerstoffmangel hin, grau auf eine Vergiftung und gelb auf ein Problem mit der Leber.

2. Stabile Seitenlage

Die stabile Seitenlage soll eine funktionierende Atmung ermöglichen. Lege den Hund dazu, wenn möglich, auf seine unverletzte Seite. Im Falle der Bewusstlosigkeit, muss der Mund der tiefste Punkt des Körpers sein. Außerdem soll er geöffnet sein und die Zunge heraushängen; das verhindert das Ersticken. Wenn sich der Hund in einem Schock befindet oder wiederbelebende Maßnahmen nötig sind, muss er auf seiner rechten Seite liegen. Wenn dein Hund ruhig liegt, bring den Kopf und die Wirbelsäule in eine gerade Linie und ziehe die Vorder- und Hinterläufe auseinander.

Wenn sich der Hund in einem Schockzustand befindet, z.B. nach einem Unfall oder einer Vergiftung, geht es in erster Linie darum, die Durchblutung der lebenswichtigen Organe zu sichern. Anzeichen für den Schock können sein: Abwesenheit, Bewusstlosigkeit, Zittern, flache Atmung, blasse Schleimhäute, beschleunigter Herzschlag etc. Um diesem Zustand bestmöglich entgegen zu wirken, lege eine Decke unter den Hund und versuche seinen hinteren Körperteil höher zu lagern.

3. Verhalten bei blockierten Atemwegen

Wenn der Hund beispielsweise einen Gegenstand verschluckt hat und zu ersticken droht, muss blitzschnell gehandelt werden. Durch einen Blick in den Rachen, am besten im Licht oder mit einer Taschenlampe, kann Erbrochenes oder ein Fremdkörper ausfindig gemacht werden. Falls ein Fremdkörper Auslöser der Atemprobleme ist, sollte dieser sofort entfernt werden. Wenn dies nicht so einfach möglich ist, können einige Schläge auf die Schulterblätter des Hundes nötig sein, um ihn zu lockern. Eventuell muss der Hund kopfüber gehalten werden (bei kleinen Hunden an den Hinterfüßen, bei großen hinter dem Brustkorb). Dies kann man genauso durchführen, wenn der Hund Wasser in der Lunge hat.

Wird die Atmung nicht besser oder bleibt sogar völlig aus, müssen die im nächsten Punkt aufgeführten Maßnahmen ergriffen werden.

4. Wiederbelebung bei Herz- oder Atemstillstand

Im Falle des Herzstillstandes, z.B. nach einem Unfall, Schock, Hitz- oder Stromschlag, ist schnelles Handeln unverzichtbar. Bringe deinen Hund in die stabile Seitenlage, wenn dies noch nicht geschehen ist. Wenn er keinerlei Lebenszeichen mehr von sich gibt und bei der Pulsmessung kein Herzschlag zu fühlen ist, beginne schnellstmöglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.  Führe dazu zunächst die Herzdruckmassage durch, indem du deine Hände (je nach Größe des Hundes auch nur die Finger) übereinander, hinter dem angewinkelten Ellbogen auf den Brustkorb legst und dann vorsichtig aber bestimmt 10-15 mal auf den Brustkorb drückst und das in kurzen Stößen, 1 mal pro Sekunde. Danach prüfst du den Herzschlag, wenn dieser nicht wieder eingesetzt hat, beginnst du mit der Mund-zu-Nase Beatmung. Halte den Mund deines Hundes zu und blase von vorne vorsichtig Luft in die Nasenlöcher. Dabei sollte sich der Brustkorb leicht heben. Pro Minute sollte ca. 10 mal beatmet werden. Bei gleichzeitiger Massage wird nach 10-15 mal drücken, 2-3 mal beatmet.

Wenn das Herz noch schlägt, jedoch keinerlei Atmung festzustellen ist, handelt es sich um einen Atemstillstand. In diesem Fall wird ausschließlich die Mund-zu-Nase Beatmung durchgeführt.

Wenn zwei Personen zur Verfügung stehen, kann einer die Beatmung und der andere die Massage übernehmen. Bei der Ein-Helfer-Methode muss eine Person allein beide Maßnahmen durchführen. In beiden Fällen sollte ständig überprüft werden, ob Herzschlag und Atmung wieder eingesetzt haben, erst dann kann die Wiederbelebung eingestellt werden. Anschließend muss der Hund stabilisiert (Schocklagerung) und auf dem schnellsten Weg von einem Tierarzt behandelt werden.

5. Blutstillung

Bei sichtbaren Wunden mit starkem Blutverlust muss die Blutung sofort gestoppt werden. Lege dazu in erster Linie den Daumen oder Finger mit Druck auf die Arterie. Anschließend solltest du einen Druckverband angelegen, um die Blutung zu unterbinden. Die Wunde solltest du dabei mit sterilem Vlies abdecken und mit einer Mullbinde fixieren. Bei extrem starken Blutverlust kann es sein, dass du das Körperteil abbinden musst. Dies darf für höchstens 10 Minuten erfolgen, da ein Absterben oder eine Embolie eintreten kann.

 

Transport zum Tierarzt

An erster Stelle steht die Sicherheit, sowohl die des Hundes als auch des Besitzers bzw. des Helfers. Sicher deinen Hund also mit Halsband und Leine zusätzlich ab, um die Kontrolle über die Situation zu behalten. Wenn der Hund aggressives Verhalten zeigt, kann es auch nötig sein, eine Maulschlinge oder einen Maulkorb anzulegen. Egal ob zu Fuß oder im Auto, achte auf einen sicheren Transport, bei dem das Tier nicht zu Schaden kommt und andere Verkehrsteilnehmer natürlich ebenfalls nicht. Nützlich ist auf jeden Fall eine weitere Begleitperson. Vor der Ankunft solltest du deinen Tierarzt über deinen Notfall und die Verletzungen deines Hundes informieren.

Erste-Hilfe Material

Verbandsmaterial:
  • Sterile Wundauflagen zur Abdeckung von Wunden
  • Lange Mullbinden zum Umwickeln von Verletzungen
  • Gazetupfer zur Wundreinigung
  • Verbandswatte zur Polsterung
  • Steril verpackte Papiertücher, Tempos, etc. (zum Polstern)
  • Verbandspäckchen für einen Druckverband bei stark blutenden Wunden
  • Heftpflaster zur äußeren Fixierung des Verbands
  • Selbsthaftende (kohäsive) Binden/ selbsthaftender Verband zur äußeren Fixierung des Verbands

Pharmazeutische Mittel:

  • Desinfektionsmittel (wie u.a. Octenisept), Anwendung als Pump-Spray
  • Desinfizierende Wundsalbe (Jod)
  • Aktivkohle, als Kohle-Tabletten, -Pulver oder -Kompressen (u.a. bei Vergiftungen, starkem Durchfall)
  • Reise-Tabletten
  • Elektrolyt-Tabletten bei starkem Durchfall – als Zusatz für das Trinkwasser zum Ersatz des Mineralienverlustes

Wir hoffen, dieser Beitrag hat dir einen Einblick in das Thema „Erste-Hilfe beim Hund“ gegeben. Bewahre auch im akuten Notfall immer deine Ruhe. Die beschriebenen Maßnahmen dienen als Erstversorgung und ersetzen keinen Tierarzt!

Jeder Hundehalter sollte Erste-Hilfe am Hund beherrschen, deswegen würden wir uns freuen, wenn du diesen Beitrag mit deinen Freunden teilst.

 

 

3 Kommentare

  1. Lena vor 3 Jahren
    • Selina Busse vor 3 Jahren
  2. Ina vor 3 Jahren

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